Presseinformation vom 8. Oktober 2008
KVV-Liniennetzplan für Blinde und Sehbehinderte geht in die zweite Auflage
Der Liniennetzplan des Karlsruher Verkehrsverbunds (KVV) für Blinde und Sehbehinderte geht in seine zweite Auflage. Die Neuauflage besteht aus einem Heft für Blinde in Brailleschrift und aus einem weiteren Heft für Sehbehinderte mit besonders groß gedruckten Plänen und Buchstaben. Die neuen Exemplare wurden notwendig unter anderem durch die veränderte Linienführung der Stadt- und Straßenbahnen gegenüber der Premiere des ersten Liniennetzplans dieser Art im Jahr 2005.
Für die Neuauflage der beiden Hefte kooperierte der KVV noch enger mit dem Studienzentrum für Sehgeschädigte (SZS) an der Universität Karlsruhe sowie mit dem Beirat für Menschen mit Behinderungen der Stadt Karlsruhe. Am SZS wird der Liniennetzplan für Blinde auf einem grafikfähigen Brailledrucker auf entsprechendem Papier gedruckt und dann zusammen mit der Legende zu einem Heft gebunden. Dagegen wird die Schwarzschriftversion beim KVV produziert. Beide Hefte werden im Kundenzentrum am Marktplatz kostenlos abgegeben.
Um Blinden und Sehbehinderten die Möglichkeit zu geben, sich über das ÖPNV-Netz in Karlsruhe und der Region zu informieren, wurde bereits 2005 ein Liniennetzplan entwickelt und produziert. Dieser machte „taktil“ alle Stadt- und Straßenbahnstrecken „erfahrbar“. Dieser Liniennetzplan des KVV war in Baden-Württemberg der erste, der auf diese Art und Weise eine weitere Barriere für Menschen mit einer speziellen Behinderung abbaute.
Grundsätzlich können jetzt auch Menschen, die blind oder sehbehindert sind - in der Regel sind diese Menschen sehr mobil - die Möglichkeiten zur Fortbewegung mit dem
KVV noch besser erkennen. Die Hefte leisten einen wichtigen Beitrag zur Barrierefreiheit, da Menschen, deren Sehvermögen fehlt oder stark eingeschränkt ist, stets auf akustische oder ertastbare Hilfen oder Mittel, mit denen sie geführt werden, angewiesen sind.
Der Liniennetzplan des KVV ist in das innerstädtische Trambahn- und das mit der Innenstadt verknüpfte regionale Stadtbahnnetz aufgeteilt. Nicht alle im Netzplan für Sehende enthaltene Informationen konnten berücksichtigt werden. Wegen des Großdrucks beziehungsweise der flächig eingedruckten Brailleschrift wurden beispielsweise nicht alle Haltestellen aufgeführt. Bei dem dichten Haltestellennetz des KVV wäre bei den Sehbehinderten dann ein zu dickes Heft entstanden, während in der Brailleschrift eine zu starke Verkleinerung nicht mehr ertastbar ist.
Für die erste Auflage wurden die Liniennetzpläne einerseits in kontrastreichen Farben in grosser Schwarzschrift gedruckt, andererseits wurden diese in Brailleschrift gedruckten Informationen in Folie tiefgezogen und auf diese Weise ein Relief erstellt. Alle Linien hatten eine unterschiedliche taktile Qualität in Brailleschrift entsprechend den unterschiedlichen Farben in Großschrift, so dass hierdurch auch für Blinde eine Unterscheidbarkeit gegeben war. Das Relief mit der Brailleschrift wurde mit der auf starker Pappe gedruckten Großschrift -Version des Netzplans zusammengefügt. Diese Produktion war aufwendig und konnte wegen des Herstellungsaufwands nicht schnell auf Linienänderungen reagieren. Bei der Neuauflage verringerten sich nicht nur die Kosten. Sie ist auch gegenüber Neuerungen wesentlich flexibler, weil das umfangreiche Knowhow des SZS auch für künftige Koproduktionen genutzt werden kann.
